Birthstrike – Für die Umwelt auf Kinder verzichten?

Kinder sind wunderbar. Als Eltern lieben wir sie bedingungslos und würden alles für sie tun, um ihnen ein schönes und möglichst sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Für viele Menschen sind Kinder der Sinn des Lebens. Sich fortzupflanzen, um die menschliche Rasse zu erhalten, wäre viel zu trivial und rational ausgedrückt. Kinder sind (meist) immerhin das Produkt zweier Menschen, die sich lieben (oder geliebt haben). Sie großzuziehen, bedeutet eine unbeschreibliche Erfahrung zu erleben, man wird überwältig von einer Unmengen Gefühlen: großes Glück,  Zufriedenheit, Angst, Sorge, aber vor allem dominiert eines: Die Liebe. Ein Kind zu lieben, ist eines der schönsten Gefühle, die es auf der Welt gibt und umgekehrt, ist es ein genauso schönes Gefühl, von einem Kind geliebt zu werden. Das sich also viele Frauen und Männer Kinder wünschen, ist absolut nachvollziehbar. Aber gerade da wir für unsern Nachwuchs, nur das Beste wollen, kommt die Frage auf, ob unser Planet, so wie er heute (und in der Zukunft) ist, wirklich das Beste für sie ist?

Immer mehr Menschen verzichten auf ihren Kinderwunsch oder verringern ihn, weil sie große Angst vor den Folgen der Klimaerwärmung haben, denen ihre Kleinen zukünftig ausgesetzt sind und gleichzeitig, mit der Geburt eines Kindes, eines neuen Menschen, zur Erderwärmung beitragen. 

Diese Bewegung nennt sich auch „Birthstrike“ und wurde von der Sängerin Blythe Pepino gegründet. Das sie ihren Kinderwunsch aufgrund der aktuellen Umweltsituation aufgibt, ist ihre Art zu sagen „Leute ich habe fast die Hoffnung verloren.“ (Zitat. Sz-magazin, „Aussterben ist keine Lösung oder doch?“, Michaela Haas). Und damit ist sie nicht allein. In einer Umfrage der New York Times im Jahre 2018, gaben 11% der Befragten an, sie wollen aufgrund des Klimawandels keine Kinder mehr und 33% gaben an, sie hätten ihren Kinderwunsch reduziert, haben also weniger Kinder, als sie eigentlich wollten. Das ist ein Drittel und somit schon ganz schön viel. 

Die Anhänger der Birthstrike-Bewegung berufen sich fast alle auf die gleiche Studie, die der schwedischen Lund Universität und der University of British Columbia in Kanada. Man wollte wissen, was genau der Einzelne am besten zum Schutz der Umwelt tun kann und das effektivste scheint wohl, keine Kinder zu bekommen. Denn mit pflanzlicher Ernährung spart man jährlich 0,3-1,6 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr, mit jedem Flug den man nicht wahrnimmt 0,7-2,8, und mit dem Verzicht auf das Auto 1-5,3 Tonnen im Jahr. Aber beim Verzicht auf ein Kind sind es: 23,7 – 117, 7 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr.

Weiterhin argumentieren die Gebärstreikenden, dass sie ihre Zeit nutzen könnten, die sie sonst für ihre eigenen Kinder gebraucht hätten, um sich für die Umwelt aktiv einzusetzen und den Planeten für anderen Kinder zu retten. 

Immer mehr junge Menschen, entscheiden sich gegen Kinder oder stellen sich zumindest die Frage, ob es überhaupt okay ist, Kinder in diese Welt zu setzen, denn die Umwelt ist nicht unsere einzige Baustelle. Allerdings ist dieses Thema, diese Ansicht sehr umstritten, die Anhänger des Birthstrikes haben nie etwas wie ein Verbot des Kinderkriegens ausgesprochen und wollen niemanden vorschreiben, was sie zu tun haben und was nicht und dennoch bekommen sie von Konservativen an den Kopf geworfen, es wäre faschistisch. 

Auch ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, ob es okay ist Kinder auf diese Welt zu setzen. Vor und nach der Geburt meiner Tochter. Die Schwangerschaft kam überraschend und mit dem ersten Herzschlag, den ich via Ultraschall sah, war es um mich geschehen: Ich würde dieses Baby bekommen. Davor habe ich mir schon viele Gedanken zum Thema Klimawandel und Umweltschutz gemacht, aber seit ich ein Kind habe, mehr denn je. Denn meine Tochter lebt länger auf diesem Planeten als ich. Es ist ihre Zukunft. Und es ist meine Pflicht als Mutter, ihr eine schöne Zukunft zu ermöglichen. Ebenso sehe ich es als meine Pflicht an, sie zu einer umweltbewussten, verantwortungsvollen, jungen Frau heran zu ziehen, die die Natur und ihre Schöpfungen achtet und schützen wird, damit auch sie noch in den Genuss kommen kann, Mutter zu werden.

Meines Erachtens ist der Birthstrike eine Möglichkeit die Umwelt zu entlasten, aber keine dauerhafte Lösung. Sonst wären ja nur noch Menschen auf der Welt, denen die Umwelt vollkommen Schnuppe ist. Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich aktiv mit dem Problem auseinander setzen, ( wie z.B Greta Thunberg) und nicht in völliger Ignoranz egoistisch auf dieser Erde leben.

Meiner Meinung nach, sollte sich jeder der Kinder hat oder sich Kinder wünscht fragen, was er ernsthaft zum Umweltschutz leisten kann (und abgesehen davon, sollte sich das wirklich jeder, mit oder ohne Kind, uneingeschränkt fragen!). Ich sage es wahrscheinlich zu oft und nerve mittlerweile bestimmt, aber schon allein in seinem ersten Lebensjahr macht ein Baby unheimlich viel Müll. Nicht das Baby macht es, sondern wir, seine Eltern. Wegwerfwindel-Windeln, Feuchttücher und ständig neue Kleider, bei den schnellwachsenden Knirpsen. Dabei gibt es auch hier Alternativen: Mit Stoff wickeln, Waschlappen, Second Hand Kleidung (oder Faire) oder auf Plastikspielzeug verzichten. Doch das wird aus Bequemlichkeit oder weil es schlichtweg und ergreifend einfach nicht stylisch genug ist, gekonnt ignoriert, genauso wie immer noch der Trend besteht, zwei Autos zu haben, jeden Urlaub weg zu fliegen, jeden Tag Fleisch zu essen und weiterhin ein übermäßiges Konsumverhalten an den Tag zu legen. Kaufen, kaufen, kaufen. Solange wir nicht bereit sind diese Bequemlichkeit abzulegen und (Luxus)Opfer zu bringen, zerstören wir weiter die Zukunft unserer Kinder und das obwohl wir als Eltern nur das Beste für sie wollen. Paradox nicht? 

Ich persönlich fand die Vorstellung immer ganz schön, wenn ich Kinder bekommen würde, drei, vier zu haben, da ich selbst aus einer Großfamilie stamme. Mittlerweile bin ich am überlegen max. zwei zu haben. Denn so wie unsere Welt heute ist, weiß ich wirklich nicht, ob ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Vor allem wegen der Zukunft meines jetzigen Kindes, meiner potentiellen, zukünftigen Kinder und die vieler anderer Kinder, die schon da sind. Sollten wir es tatsächlich schaffen, unser Verhalten zu ändern und unseren Planeten zu retten, dann könnte ich mir wieder vorstellen, mehr Kinder zu haben. Aber bis dahin erstmal nicht mehr. Und wer weiß, vielleicht ist es bis dahin zu spät für mich, aber dann kann wenigstens mein Tochter ohne Sorge ein Kind in die Welt setzen. 

©sinachivit

Quellen:

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/die-loesung-fuer-alles/birthstrike-blythe-pepino-gebaerstreik-87007

2 Kommentare

  1. Ich habe auch schon von der Bewegung gehört, würde selber jedoch nicht so weit gehen, auf Kinder zu verzichten, um das Klima zu schützen. Ich teile deine Meinung, dass es klimabewusste Menschen braucht, die ihre Erfahrungen dem eigenen Nachwuchs weitergeben können.

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